Beim Standesamt sagt man nicht „Auf Wiedersehen“

Gestern war ich auf einer Hochzeit. Mein Freund hat geheiratet. Ein Mann von der Sorte und mit dem Charakter, den ich mir an meiner Seite auch wünsche. Hab ich bisher noch nicht gefunden. Warum nicht? Weil das Schicksal es nicht gut mit mir meint. Mein Schicksal ist ein Arschloch und der Ansicht, dass ich besser alle vergraulen soll. Und das ist egal, ob ich den total charmanten Mann oder den Wild Guy vertreibe. Ich vertreibe sie alle! Jeden einzelnen.

„Du hast den Richtigen noch nicht gefunden“, sagen meine Freunde. So ein Quatsch sagt man nur, wenn einem nichts besseres einfällt oder, wenn man das Thema einfach beiseite legen will. Mit „Hoffnung machen“ hat das wenig zu tun. Ich glaube nämlich nicht daran, dass der „Richtige“ existiert. Ich glaube aber daran, dass man sich anpassen kann, dass man füreinander einstehen kann, dass man lernen kann die Macken des Partners zu akzeptieren. Leider ist das nur meine Überzeugung. Kaum jemand teilt sie mit mir. Zumindest nicht diejenigen, die mehr als 40 Jahre auf dem Buckel haben.

Was ist los mit den Ü 40? Oh Gott! Ja! Wir haben unsere Erfahrungen! Mit Partnern, mit Kindern, mit Jobs, mit Autos, mit Alkohol, mit Hobbys, mit Sonne und Schnee… Ist doch super! Doch, genau da liegt auch der Denkfehler! Unsere Erfahrungen sind nicht die Erfahrungen einer anderen Person. Wenn ein Mann in einer vorherigen Partnerschaft gelernt hat, dass Probleme nur zu noch mehr Problemen führen, geht er denen besser aus dem Weg. Er projiziert seine vergangenen Erlebnisse unbewusst auf die neue Partnerin und beraubt sich einer neuen Erkenntnis. Die neue Frau könnte doch eine sein, die aus einer Mücke keinen Elefanten, sondern „eine tote Mücke an der Wand“ macht.

Ich würde mich zu den Aktiven zählen. Problem da. Problem beheben. Punkt. Und obwohl ich so bin (oder erst recht), bleibe ich nicht verschont und entwickle mich zunehmend zu einem tragischen Fall. Mich hat einer fallen lassen, weil ich nicht so tickte, wie er es gerne hätte. Die Frage, die ich mir seitdem immer wieder stelle ist, wie soll ich Änderungen vornehmen, wenn man mir keine Möglichkeit dazu gibt? Möglichkeit in Form von Vertrauen und Zeit. Dieser Mann hat mich zutiefst verletzt und verunsichert. Er hat mir das Gefühl der Wertlosigkeit vermittelt. Um dieses Gefühl abzuschütteln braucht man ein starkes Selbstbewusstsein, gute Freunde, jede Menge Taschentücher und männliche Vorbilder.

Mein Freund Carsten, auf dessen Hochzeit ich gestern war, ist so ein Vorbild. Unerschütterlich, stark, souverän und sehr intelligent. Seine Hochzeitsrede hat ihn und uns zu Tränen gerührt. Er beschrieb die schweren Zeiten, die das Paar gemeinsam gemeistert hat. Wie anstrengend es war, aus zwei Persönlichkeiten, ein Paar werden zu lassen. Und wie sehr er sich freut, dass dieser Aufwand sich gelohnt hat. Denn jetzt hat er eine wundervolle Frau an seiner Seite, die er sehr liebt. Eine Rede, die mich sehr aufgewühlt hat und mir gezeigt hat, dass es sich auch mit Ü 40 lohnt zu kämpfen. Und Kämpfen ist nicht schwer. Man muss nur den anderen wichtiger nehmen als sich selbst. Dann flutscht das von ganz allein.

XOXO euer BlonderKracher

„Wenn man einen heiratet, dann muss man ihn schon sehr lieben. Denn immerhin muss man ihn nachher mit Hause nehmen“*  😉 .

*Worte eines kleinen Mädchens zum Thema Heirat.

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HonesTea

Es stimmt schon: Man liebt nie „weil,“ sondern immer nur „trotz.“

Unabhängig davon Dir viel Glück bei Deiner weiteren Suche nach einem toleranten Mann, der sich nicht vergraulen lassen will, und auch die netteste Herausforderung annimmt. Andrea und Carsten wünsche ich auf jeden Fall möglichst wenige „Trotz-e.“

In all Honesty, HonesTea