Archiv für den Monat: August 2015

Beim Standesamt sagt man nicht „Auf Wiedersehen“

Gestern war ich auf einer Hochzeit. Mein Freund hat geheiratet. Ein Mann von der Sorte und mit dem Charakter, den ich mir an meiner Seite auch wünsche. Hab ich bisher noch nicht gefunden. Warum nicht? Weil das Schicksal es nicht gut mit mir meint. Mein Schicksal ist ein Arschloch und der Ansicht, dass ich besser alle vergraulen soll. Und das ist egal, ob ich den total charmanten Mann oder den Wild Guy vertreibe. Ich vertreibe sie alle! Jeden einzelnen.

„Du hast den Richtigen noch nicht gefunden“, sagen meine Freunde. So ein Quatsch sagt man nur, wenn einem nichts besseres einfällt oder, wenn man das Thema einfach beiseite legen will. Mit „Hoffnung machen“ hat das wenig zu tun. Ich glaube nämlich nicht daran, dass der „Richtige“ existiert. Ich glaube aber daran, dass man sich anpassen kann, dass man füreinander einstehen kann, dass man lernen kann die Macken des Partners zu akzeptieren. Leider ist das nur meine Überzeugung. Kaum jemand teilt sie mit mir. Zumindest nicht diejenigen, die mehr als 40 Jahre auf dem Buckel haben.

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Lotti auf Abwegen

Jede Frau, die, aufgrund ihres Alters, Aussehens oder Mangels an Männern an sich zweifelt, sich selbst nicht mag oder ihr pures Dasein verflucht, sollte Lotti kennen.

Lotti ist umtriebiger als eine 20jährige mit der Erfahrung einer 60jährigen. Was hat Lotti schon mitgemacht. 30 Jahre Ehe mit einem Professor. Mit einem, der gerne ins Ausland wollte. Nur für zwei Jahre hat er beteuert. Naiv wie Lotti damals war, dachte sie im Traum nicht daran, dass er für immer ein Reisender bleiben würde. Von Afrika nach Indien und weiter nach Thailand. Sie folgte ihrem Mann überallhin. Stellte ihre eigenen Wünsche und Träume hintenan, studierte Medizin und schaffte es immerhin bis zum ersten Staatsexamen. Lotti wollte mehr vom Leben. Mehr Prickeln, mehr Liebe, mehr Leben. Hals über Kopf verliebte sie sich in einen anderen Mann und verließ spontan und ohne Bedenken ihren Professor. Die neue Liebe war dann doch nicht für immer. „Nur 12 Jahre hat es gehalten“, erzählt Lotti. 12 Jahre, denke ich… Hätte ich auch gerne.

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GEDULD! Du kannst mich mal!

Wieso wird Geduld als eine Tugend angesehen?

Der Zug hat eine halbe Stunde Verspätung, mal wieder ist nur eine Kasse im Supermarkt offen und in der Hotline wartet man schon seit 32:45 Minuten bei grausamster Foltermusik. Und wenn man dann ausrastet, heisst es ganz lapidar: „Du musst etwas geduldiger werden“, gesprochen in einem Ton, der ungeduldiger nicht sein könnte. Da krieg ich einen mittelmäßigen Tobsuchtsanfall!

Ich bin situationsbedingt mal geduldig oder ungeduldig. Ich habe keine Geduld mehr mit Menschen, die mir sehr schlaue, pseudo-psychologische Ratschläge erteilen, ohne mich vorher gefragt zu haben, ob ich sie überhaupt hören will. Meistens sind es eh Menschen, die ihre Sprüche aus Glückskeksen entnehmen um sie dann, ungefiltert und ungefragt, unters Volk zu streuen. Ich habe keine Geduld für Menschen, die mir erklären, dass ich ganz sicher meinen Weg gehen werde oder jene, die mir erklären, dass ich alle Zeit der Welt habe. Es ist der Typus, der nicht mal einen Vornamen richtig schreiben kann, auch wenn er gerade vor seiner Nase steht. Oberflächlich bis zur Haarspitze, Forderungen stellend und selbst nichts leistend. Solche Typen kommen mir schon mal unter und es dauert eine Zeitlang bis ich kapiere, dass es keine netten Menschen sind. Herablassende Egoisten machen mich wütend. Da ist es vorbei mit Leichtigkeit und Geduld und Gelassenheit.

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Beach Body? Nehme dein Body und gehe zum Beach!

Seit einem Jahr bin ich im Besitz der Freeletics App. Schlappe 95 Burpees soll man da als Normalo schaffen. Schockiere deinen Körper! Heisst es. Hab ich! So sehr, dass er sich beim 30-ten Burpee auf dem Boden übergeben hat. Ohne Vorankündigung. Versteht sich von selbst. Sätze wie „No Excuses“, „Forme deinen Körper“ oder „No Cry! RUN“ prägen eine ganze Generation. Mal abgesehen von den Veganern. Die tun den Rest. Jede normal gewichtige Frau fühlt sich wie ein Walross neben den ausgemergelten Models in den Zeitschriften. Jede will genau diesen Körper. Ohne Alter, ohne Cellulite und ohne Leben. So glatt wie Marmor.

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Pattex-Pärchen! Rette sich wer kann

Es ist kein Neid, der mich überkommt, wenn ich einem Pattex-Pärchen begegne. Mich schaudert es! Sie nennen sich bei Kosenamen wie Hasi, Bärchen oder Mäuschen. Sie unternehmen alles gemeinsam und mögen keine Bananen oder Oliven oder sonstiges. Das WIR steht stets im Vordergrund. Sie treten auf wie eineiige Zwillinge, von Kopf bis Fuß im Partnerlook. Zumindest müssen die Farben der Kleidung aufeinander abgestimmt sein. Da weiß man bald nicht mehr, wer Weibchen oder Männchen ist. Ständig müssen sie sich küssen , umarmen oder streicheln. Sie füttern sich gegenseitig im Restaurant oder gehen gemeinsam zum Sport.

Neulich habe ich mich auf einen 3-tägigen Segeltörn eingebucht. An Bord war ein Pärchen. Nur ein einziges in der gesamten Crew. Die zwei haben mir echt den Rest gegeben. „UNSER Hobby ist das Golfen“. „WIR mögen gutes Essen“. Als er eine Diät machte, da machte sie natürlich mit. Keine Frage! Den Sinn dieses Unterfangens habe ich nicht verstanden.

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Paket mit unbekanntem Inhalt

Ich hatte eine zeitlang ein Douglas Abo für die Beauty Box. Die Beauty Box kam 1x im Monat und kostete gerade mal € 15,-. Der Inhalt war jedes Mal eine Überraschung. Mal war es mehr dekorative Kosmetik und mal mehr Körperpflege oder auch mal ein Duft und Haarpflege. Ich freute mich immer sehr auf die Beauty Box. Es waren so viele Einzelteile drin, die ich mir wahrscheinlich nie gekauft hätte, aber so die Gelegenheit bekam sie zu testen. Nicht jeder Artikel in der Box konnte mich überzeugen. Manche fand ich echt total blöd. So was wie Latschenkiefer Balsam. Wer braucht das denn? Ich jedenfalls nicht! Aber als ich zu meiner Oma zu Besuch fuhr, da kam das Latschenkiefer Balsam gerade richtig. Ich hatte ein Mitbringsel! Und meine Oma hatte ihre Freude!

Der Mensch scheint neuerdings auch ein Paket zu sein. Letztens habe ich, am Nebentisch im Café den Satz gehört „Das Gesamtpaket stimmt nicht“ oder „Das Paket ist nix für mich“. Und dann saß ich da und habe überlegt. Das kann ich echt gut. So Rumsitzen und nachdenken. Das geht soweit, dass ich mich in Rage denken kann. Dieser Satz war dermaßen überheblich, dass mir die Galle hochkam. Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte dem Typ meine zarte Meinung um die Ohren gehauen.

Er betitelte eine Frau, mit der er vor kurzem noch zusammen war als PAKET. Da muss ja einiges vorgefallen sein. Oder der Kerl hat einen Megaknall. Eins von beiden wird es sein. Ich lauschte seinen Ausführungen und war immer mehr erstaunt. Allem Anschein nach hat er eine tolle Frau kennengelernt. Hübsch, witzig, unterhaltsam, spontan, stark und unabhängig. Alles, was ein Mann sich nur wünschen kann. Sogar das gleiche ausgefallene Hobby haben sie geteilt! Einen guten Job scheint sie zu haben und genug Geld zu verdienen. Solche Frauen gibt es nicht wie Sand am Meer. Sie sind rar. Eine Macke hatte sie wohl. Irgendeine. Leider habe nicht mitbekommen, welche genau. Nur, dass sie wütend wurde. Worüber? Keine Ahnung! Vielleicht hatte sie ihre Tage. Oder sie hat sich nicht verstanden gefühlt. Oder er hat sie mit irgendeinem Satz verletzt. Es gibt immer eine Aktion und eine Reaktion. Und genau in dieser Reihenfolge. Leider wird die Reaktion höher bewertet als die Aktion. Ergo! Diese Frau hat eine Macke und er ist fein raus und kann jedem Freund berichten, warum es mal wieder mit einer Frau nicht geklappt hat.

Das Gespräch erinnerte mich an meine Beauty Box. Wie oft habe ich das Päckchen geöffnet und fand nicht immer die Artikel vor, die mir gefielen. Habe ich daraufhin die ganze Box in den Müll geworfen? NEIN! Natürlich nicht. Habe ich das Abo gekündigt? Nein! Warum auch? Es war doch nicht die gesamte Box kacke, nur weil mir eine Sache darin nicht gefiel. Wir werfen aber einen ganzen Menschen in den Müll, nur weil wir eine einzige Macke an ihm nicht mögen. Es ist so erbärmlich.

Ich hatte mal einen Freund, der fürchterlich geschnarcht hat. Ich konnte neben ihm nicht schlafen. Unmöglich! Habe ich den Mann aus dem Bett geschmissen? Nein! Ich habe mir Ohropax gekauft….

XOXO euer BlonderKracher

Intuition ist alles…

… oder: Kotzen ist eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Und ich könnte mich momentan im Schwall erbrechen. Soweit bringen mich manche Zeitgenossen. Und davon gibt es einige. Zur Zeit beschäftigt mich aber mehr der Typ Mensch, der vor Selbstgefälligkeit trieft. Der ist so aalglatt, dass selbst Teflon mehr Haftungsvermögen hat.

Der ist über alles erhaben. Kein Wässerchen kann sein Verhalten trüben. Der steht da, wie ein Fels in der Brandung und erläutert dir, wie dämlich dein Verhalten ist und wie blöd man überhaupt sein muss, um es soweit kommen zu lassen. Wie nennt man einen solchen Menschen? Ignorantes Großmaul? Wenn man solchen Menschen begegnet, dann sollte man schleunigst Reißaus nehmen. Denn am Ende einer solchen Begegnung fühlt sicher jeder, einigermaßen sensible Mensch, wie der allerletzte Versager.

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